Resilienz und Wirtschaft – Widerstandsfähig durch die Krise

Die COVID 19-Pandemie hatte und hat noch immer enorme Auswirkungen auf unsere globalisierten Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme. Um zu verstehen, wie sich die negativen Folgen eines disruptiven Ereignisses – wie die Corona-Pandemie eines ist – auf Wirtschaft und Gesellschaft abschwächen lassen und wie erfolgreiche Anpassungsstrategien aussehen können, nutzen Forscherinnen und Forscher das Konzept der Resilienz.

Was versteht man unter ökonomischer Resilienz?

Der Begriff ‚Resilienz‘ leitet sich vom lateinischen Verb ‚resilire‘ ab, das übersetzt ‚zurückprallen‘ oder ‚zurückspringen‘ bedeutet. Mit ihm wird die Eigenschaft eines Gegenstandes bezeichnet, die diesen, nachdem er von einer auf ihn einwirkenden Kraft verformt wurde, wieder zurück in seine Ausgangsform bringt. Ein resilienter Gegenstand wird durch eine Krafteinwirkung nicht dauerhaft verändert – ein Gummiball ist demnach resilient, eine Glaskugel nicht.

In einem ökonomischen Kontext versteht man unter Resilienz die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, vorbereitende Maßnahmen zur Bewältigung einer Krise zu ergreifen, im Krisenfall die Folgen abzumildern und sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen zu können. Wie resilient eine Volkswirtschaft ist, wird daran gemessen, inwieweit die Handlungsmaßnahmen und das Zusammenspiel von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie die Leistungsfähigkeit des Landes auch nach einer Krisenzeit sichergestellt sind. Die Definition der ökonomischen Resilienz greift so den maßgeblichen Inhalt des allgemeinen Resilienzbegriffes auf und erweitert diesen durch eine proaktive und adaptive Dimension.

Was bringt Resilienz in der Wirtschaft in Zeiten der Krise?

Der Resilienzbegriff findet in einem wirtschaftlichen Kontext immer mehr Verwendung. Das ist nicht überraschend, liegen doch Jahre mit immer neuen ökonomischen und politischen Krisen hinter vielen Volkswirtschaften. Die europäischen Staaten wurden durch die Weltfinanzkrise 2008, die Euro-Krise 2010 sowie die Flüchtlingskrise 2015 destabilisiert. Und aktuell ist das Gleichgewicht in der EU durch die sich in der Brexit-Entscheidung manifestierende EU-Integrationskrise, den international agierenden Terrorismus und einige sich immer mehr autoritär verhaltende Mitgliedsstaaten sowie Nachbarländer bedroht. Die hinter den europäischen Volkswirtschaften liegenden Jahre haben somit gezeigt, dass nicht nur das politische Umfeld Europas immer wieder abrupten Veränderungen ausgesetzt ist, sondern auch wirtschaftlichen.

Leider sind solche krisenhaften äußeren Einflüsse nicht immer vermeidbar. Es stellt sich für Volkswirtschaften deshalb weltweit die Frage, wie es um deren Fähigkeit bestellt ist, mit solchen Schocks umzugehen. Können sie diese nicht nur bewältigen, sondern aus ihnen vielleicht sogar gestärkt hervorgehen?

Welche Faktoren stärken die wirtschaftliche Resilienz der Staaten?

Resilient zu sein heißt für jedes Land, durch Krisen nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Aber welche Faktoren begünstigen die Resilienz von Staaten? Eine Studie des Bertelsmann Instituts hat anhand von Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 14 ausgewählte Staaten miteinander verglichen und so festgestellt, welche Faktoren eine starke ökonomische Resilienz begünstigen. Diese sogenannten Resilienzfaktoren, die die Studie eruiert hat, beziehen sich auf einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren.

Folgende 8 Faktoren für Resilienz, die sich jeweils auf die Kategorien Gesellschaft, Wirtschaft und Politik aufteilen, hat das Bertelsmann Institut im Zuge seiner Resilienzforschung ermittelt:

  • Bildung: Im Zuge einer empirischen Forschung zeigt sich, dass Arbeitskräfte, die einen hohen Ausbildungsgrad vorweisen, durch ihre Flexibilität die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft in Zeiten einer Krise maßgeblich erhöhen. Zudem reduziert ein hoher Bildungsgrad nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines Jobverlustes, sondern auch die von Wachstumsrückgängen. Je besser also die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eines Landes ausgebildet sind, desto stabiler ist die Wirtschaft in Krisenzeiten.
  • Zusammenhalt: Ein sehr starker gesellschaftlicher Zusammenhalt wirkt sich positiv auf die Resilienz eines Landes aus. Warum? Weil so Reformen einfach umgesetzt werden können und die Gesellschaft als Ganzes kompromissbereiter ist. Hat die Gesellschaft Vertrauen in die politischen Institutionen, zeichnet sie sich durch ein hohes Maß an Reformakzeptanz aus. Flexible Anpassungen, die die Politik in Krisenzeiten vornehmen muss, werden dadurch von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen.
  • Finanzierung: Die Resilienz eines Landes hängt auch von der Finanzierung vor und während einer Krisenzeit ab. Ist die Staatsverschuldung sowie die Verschuldung von Unternehmen und Haushalten einer Volkswirtschaft eine hohe, so beeinflusst das das Konsumverhalten der Bevölkerung, was während einer Krise destabilisierend wirken kann.
  • Monetärer Sektor: Dieser Resilienzfaktor bezieht sich nicht auf die Krisenzeit an sich, sondern auf die Lage der Volkswirtschaft unmittelbar davor. Entscheidend für diesen Faktor ist die Überbewertung der Währung gemessen an der Kaufkraftparität sowie die Inflation gemessen am Verbrauchspreisindex. Was heißt das? Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes steigt bei einer geringen Überbewertung der Währung – ist das vor der Krise der Fall, so begeht das Land diese Zeit mit einem hohen Maß an Resilienz. War die Zeit vor der Krise jedoch von einer hohen Inflation geprägt, senkt das die Resilienz, da die Krisenfolgen gravierender ausfallen werden.
  • Staatsgröße: Hat es vor der Krise kaum staatliche Investitionen gegeben und war der Umfang des staatlichen Engagements gering, so hat das während einer Krise einen Einfluss auf die ökonomische Resilienz. Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass ein hohes Maß an Engagement die Resilienz eines Landes fördert, da damit bereits vor der Krise gezeigt wurde, dass die Bereitschaft zum Handeln der Politik gegeben ist. Zudem stärken Investitionen das Staatsgebilde und modernisieren das Land, wodurch dieses auf schlechte Zeiten besser vorbereitet ist.
  • Arbeitsmarkt: Ein flexibler Arbeitsmarkt ist ein sehr wichtiger Resilienzfaktor, denn dieser kann sehr schnell auf Veränderungen und neue Rahmenbedingungen eingehen, was zu einer raschen Stabilisierung führt. Ein funktionierender Arbeitsmarkt kann in einer Krise das Niveau von Menschen, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, länger auf einem gewissen Niveau halten und somit negative Auswirkungen der Krise auffangen.
  • Besteuerung: Auch ökonomische Regulierungen, Besteuerungen und die Kosten der Besteuerung wirken sich auf die Resilienz einer Volkswirtschaft aus. So tragen beispielsweise eine geringe Unternehmensbesteuerung und eine geringe Besteuerung der Privathaushalte zu einer höheren Resilienz bei. Hohe Steuern für Unternehmen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigern in Krisenzeiten hingegen die Ungleichheit und bremsen das wirtschaftliche Wachstum.
  • Wirtschaftsstruktur und Innovationsorientierung: Grundsätzlich kann man sagen, dass hohe Unternehmensinvestitionen zu einer höheren Produktivität sowie besseren Anpassungsfähigkeit führen – und das stärkt die Resilienz der Wirtschaft. Ein Fokus auf Innovationskraft hat außerdem den Effekt, dass schneller und besser auf veränderte Rahmenbedingungen eingegangen werden kann.

Was sind die wichtigsten Dimensionen einer umfassenden Resilienzstrategie?

Eine präzise und umfassende Resilienzstrategie ist wichtig, damit Politik, Gesellschaft und Wirtschaft eines Landes auf eine unausweichliche Krise vorbereitet sind. Diese Strategie muss darauf abzielen, …

  • … die bereits vorhandenen Fähigkeiten zur Krisenverarbeitung noch zusätzlich zu stärken.
  • … die Phasen der Vorbereitung, Milderung und Anpassung einer Krise miteinzubeziehen.
  • … alle entscheidenden verschiedenen Ebenen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) und deren Zusammenspiel zu adressieren.

Bei den Krisenverarbeitungsfähigkeiten muss zwischen zwei Typen unterschieden werden – den exogenen und den endogenen. Die exogenen Typen bezeichnen kurzfristig gegebene Ressourcen, wie das Humankapital, natürliche Ressourcen, die Infrastruktur oder finanzielle Rücklagen. Endogene Typen hingegen stehen in engem Bezug zur Reformkompetenz eines Staates, die durch flexible Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, flexible Unternehmen und Institutionen sowie durch ein hohes Maß an Sozialkapital befördert wird.

Wie wirkt sich eine Krise auf die wirtschaftliche Performance aus und welchen Einfluss hat Resilienz dabei?

Befindet sich eine Volkswirtschaft in einer Krise, so steht die wirtschaftliche Performance des Landes sozusagen unter Schock. Exogene Störeinflüsse – darunter versteht man Einflüsse von außen – haben das System, das zuvor im Gleichgewicht war, in eine Schieflage versetzt. Diese äußeren Einflüsse können temporäre Störungen wie konjunkturelle Effekte und auch langfristige Auswirkungen mit sich bringen. Sie können so für einen demografischen Wandel, eine digitale Transformation, eine geopolitische Verschiebung der Handelsbeziehungen oder eine Veränderung im regulatorischen Rahmen verantwortlich sein.

Im Hinblick auf die Resilienz eines Landes ist ein wesentlicher Faktor die Fähigkeit, auf von außen bedingte Krisen nicht nur durch passive Anpassungen zu reagieren, sondern diese aus eigener Kraft zu lenken und sie als Anlass dafür zu sehen, die regionale Wettbewerbsfähigkeit neu zu gestalten. Dafür muss eine Volkswirtschaft ein hohes Maß an Innovationspotenzial und auch eine entsprechende Gründermentalität mit sich bringen. Und diese weist ein Land nur auf, wenn es seine Stärke aus einer sehr gut ausgebildeten und spezialisierten Bevölkerung schöpft.

Damit die wirtschaftliche Resilienz eines Landes in Zeiten der Krise eine hohe ist, müssen auch die passenden strukturellen Faktoren gegeben sein. Es braucht eine Offenheit der Politik, der Gesellschaft und der Wirtschaft gegenüber neuen Lösungswegen und Ideen sowie auch gegenüber anderen Herangehensweisen und Fragestellungen. Offenheit bedeutet auch, auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu setzen und so auf die Expertise von Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu vertrauen.

Resilienz in der Wirtschaft und Gesellschaft in der Corona-Krise

Aktuell befindet sich die Welt in einer Krise. Die Auswirkungen der COVID19-Pandemie sind in vielen Bereichen zu spüren: Gesundheitssysteme arbeiten am Limit, die Volkswirtschaften geraten in eine Schieflage, die Kompetenzen von Forschungseinrichtungen werden in Frage gestellt und der soziale Zusammenhalt steht vor einer enormen Belastungsprobe.
Mancherorts erscheint das Krisenmanagement machtlos gegenüber der Vielzahl an Problemen, die durch die Pandemie entstanden sind. In anderen Bereichen wiederum sind die Auswirkungen der aktuellen Krise kaum zu spüren und wiederum andere haben es geschafft, in der Krise neue Chancen zu sehen und diese umzusetzen. Woran liegt das? An der unterschiedlich stark ausgeprägten Resilienz. Haben bestimmte Wirtschaftssektoren beispielsweise seit Jahren an einem umfassenden Digitalisierungskonzept gearbeitet und es bereits in vielen Bereichen umgesetzt, so haben andere diese Aufgabe vor sich hergeschoben. Das hat sich bemerkbar gemacht. Nicht jeder Wirtschaftsbereich konnte die Corona-Krise als wichtigen Katalysator für eine zunehmende Digitalisierung, den erweiterten Einsatz von künstlicher Intelligenz oder die Dekarbonisierung ihrer Unternehmensprozesse nutzen.

Die Pandemie hat uns jedoch auch vor Augen geführt, dass für ihre erfolgreiche Bewältigung alle Beteiligten gefordert sind – nicht nur Wirtschaft und Politik, sondern auch Gesellschaft, Medien, Wissenschaft und Kultur. Expertinnen und Experten haben festgestellt, dass Zivilgesellschaften in Krisenzeiten eine ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstorganisation besitzen und so eine wertvolle Ressource zur Krisenbewältigung bereitstellen können. Auf diese lässt sich jedoch nur dann zurückgreifen, wenn die Bürgerinnen und Bürger effektiv miteinbezogen werden.

Wie können Unternehmen durch Resilienz besser durch die Krise kommen?

Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass große und abrupte Veränderungen auf wirtschaftlicher Ebene kein Ausnahmefall, sondern vielmehr der Normalfall sind. Um diese Schockphasen immer wieder zu überstehen, müssen Unternehmen nach Möglichkeiten und Strategien suchen, um ihre Resilienz zu steigern. Nur so können sie auf neue und unvorhergesehene Entwicklungen rasch reagieren und diese als Chance wahrnehmen, um aus ihnen gestärkt hervorzugehen.

Um die Resilienz des Unternehmens zu steigern, muss sich die Organisationen ihre Strukturen auf ihre Zukunftsfähigkeit hin abklopfen und ihren Umgang mit Fehlern im Unternehmen hinterfragen. Ein Unternehmen darf sich nicht der Hoffnung hingeben, dass nach der Krise alles so weitergeht wie bisher und dass ein reines Durchhalten am Ende zum Erfolg führt. Eine Krise erfolgreich zu überstehen heißt, nicht passiv auf bessere Zeiten zu warten, sondern die eigenen Strukturen für die Zukunft zu stärken. Nur wer rechtzeitig die notwendigen Veränderungen umsetzt, kann unerwarteten Schockphasen resilient entgegentreten.

Resilienz stärken mit dem Mindlead Institut

Eine wirtschaftliche Krise und auch andere Schockphasen können nicht nur ein Unternehmen in enorme Schieflage bringen, sondern fordern auch dessen Angestellten so einiges ab. Da, wie die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, Zeiten der Krise kein Ausnahmefall sondern vielmehr die Regel sind, ist es wichtig, sich selbst sowie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Herausforderungen vorzubereiten.

Im Zuge des Resilienz- und Achtsamkeitsseminars am Mindlead Institut (ehemaliges Mindful Leadership Institut) lernst du, wie du Resilienz trainierst und auch in Krisenzeiten in der Lage bist, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen und an ihnen zu wachsen. Unsere Trainerinnen und Trainer zeigen dir einfache, umsetzungsorientierte Modelle, Techniken und Übungen, die deine Resilienz durch Achtsamkeit im Alltag stärken werden.

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