Digital Mindfulness in der Arbeitswelt

Das Handy klingelt, der Arbeitschat pingt und das Mailprogramm macht sich im Minutentakt bemerkbar – die digitale Transformation der Arbeitswelt kann großartig sein, schließlich ermöglicht sie vielen Menschen das Arbeiten von zuhause. Sie führt aber auch dazu, dass man selbst
in der Freizeit das Gefühl hat, ständig erreichbar sein zu müssen. An ein Abschalten ist gar nicht mehr zu denken und die ständige Erinnerung an noch zu erledigende Aufgaben lässt den Stresspegel unnötig steigen. Aus diesem digitalen Netz aus Reizüberflutung und Überarbeitung können wir uns kaum mehr befreien. Und genau hier setzt die Digital Mindfulness an.

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Was versteht man unter Digital Mindfulness?

Um zu verstehen, was Digital Mindfulness ist, muss man verstehen, was Achtsamkeit bedeutet. Der emeritierte Universitätsprofessor Jon Kabat-Zinn definierte diese wie folgt: „Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Art und Weise aufmerksam zu sein: absichtsvoll, im gegenwärtigen Moment und ohne zu urteilen.“ Auf die digitale Welt bezogen heißt das, dass uns unser Umgang mit Technologien daran hindert, konzentriert im Hier und Jetzt zu sein. Achtsam im Moment zu sein, das erreichen wir nur, indem wir digitale Ablenkungen so gut wie möglich vermeiden, die Nutzungsdauer von Smartphone und Co. verringern und diesen feste Zeiten in unserem Tagesablauf einräumen. Und genau das versteht man unter Digital Mindfulness.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf unser Gehirn aus?

Das Gehirn ist formbar wie ein Muskel – es verändert sich, je nachdem, wofür man es nutzt. Und nutzt man bestimmte Bereiche nicht, so verkümmern diese – Neuroplastizität nennt das die Wissenschaft. Wenn wir uns fast nur noch in der digitalen Welt bewegen und andere Reize immer mehr ausbleiben, zahlen wir dafür einen sehr hohen Preis:

1. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit
Die ständige Überreizung durch meist unwichtige Informationen, die wir gar nicht mehr richtig verarbeiten können, und das häufige Hin und Her bei dem, was wir gerade tun, führt dazu, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird.

2. Verringerte Willenskraft
Soziale Medien und Apps wurden so konzipiert, dass es schwerfällt, sich von ihnen zu lösen. Dafür verantwortlich sind deren Algorithmen, die so gut arbeiten, dass sie bereits bei 40% der US-amerikanischen Bevölkerung ein klinisch relevantes Suchtverhalten ausgelöst haben. Wer ständig gegen einen Algorithmus ankämpfen muss, um an Lebenszeit und Lebensqualität in der realen Welt zu gewinnen, der verliert nach und nach an Willenskraft und gibt irgendwann auf.

3. Dauernder Schlafmangel
Wer dem Algorithmus nichts mehr entgegensetzt und seine Screentime ausufern lässt, der bringt sein Gehirn, sein Nervensystem und sogar seinen Hormonhaushalt durcheinander. Wie? Durch das blaue Licht, dass Bildschirme von Handy, Tablet, Laptop und Co. ausstrahlen. Diese führt – wissenschaftlich mehrfach bestätigt – zu einer verringerten Schlafqualität, schlechterem Einschlafen und früherem Aufwachen.

4. Mangelnde Empathie
Wie Studien beweisen, bewirkt ein Smartphone, dass durch dessen Anwesenheit eine Unterhaltung zwischen zwei Menschen weniger empathisch und vertrauensvoller wahrgenommen wird als ohne. Und dafür muss es nicht einmal benutzt werden. Es reicht, wenn das Smartphone ausgeschaltet auf dem Tisch liegt.

Warum ist Digital Mindfulness heutzutage so wichtig?

Unsere Aufmerksamkeit ist eine wertvolle, aber auch begrenzte Ressource. Viele Bereiche unseres Lebens kämpfen um sie. Leider gewinnen die digitalen Medien in der modernen Welt diesen Kampf immer öfter. Besonders in einem Führungskontext kann das fatale Folgen haben. Schließlich lenken Notifications, Mails und Apps Führungspersonen davon ab, sich fokussiert Bedürfnissen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu widmen. Sie verlieren sich in kleinen Tasks und Ablenkungen und vergessen, sich den größeren Zielen zuzuwenden. Digital Mindfulness hilft genau dann, den Fokus wieder auf die wichtigen Dinge zu lenken und diese ohne Ablenkung zu verfolgen.

7 Tipps, wie du Technologie und digitale Medien im Alltag achtsamer nutzt

Wer neue Technologien mit Achtsamkeit nutzen will, weiß oft nicht, wie er das anstellen soll. Schließlich sind diese allgegenwärtig und man hat das Gefühl, ihnen nicht entkommen zu können. Wir haben 7 Tipps für dich, die dir dabei helfen, digitale Medien achtsamer zu nutzen:

1. Überwache deine Bildschirmzeit
Zum Glücke haben die großen Technologieunternehmen erkannt, welche Gefahr digitale Medien bergen. Deshalb haben sie eine Reihe an Tools entwickelt, die dir helfen, deine Bildschirmzeit zu überwachen.

2. Deaktiviere alle unnötigen Notifications
Ein wichtiger Anfang, um Digital Mindfulness zu entwickeln, ist, alle unnötigen Notifications auf deinem Smartphone zu deaktivieren. Unnötig sind vor allem die, die nicht von einem Menschen, beispielsweise eine WhatsApp-Nachricht, sondern von einer App selbst ausgelöst werden.

3. Schalte den Flugmodus ein, wenn du arbeitest
Einer der besten Produktivitätstipps ist, das Smartphone während des Arbeitsalltags in einem anderen Raum abzulegen oder es in den Flugmodus zu versetzen, damit du nicht mehr unnötig aus deiner Arbeit herausgerissen wirst.

4. Nimm das Handy nicht ins Schlafzimmer mit
Schätzungsweise 50% aller Millennials schlafen mit ihrem Smartphone neben dem Bett. Das führt dazu, dass man sich sogar im Bett noch dem schädlichen blauen Licht aussetzt und so die Schlafqualität leidet.

5. Nutze das Handy mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr
In den letzten Jahren wurde viel über die Schädlichkeit von blauem Licht, das von LED-Bildschirmen ausgestrahlt wird, geforscht. Blaues Licht gaukelt deinem Gehirn vor, dass helllichter Tag herrscht. Es blockiert somit nach Einbruch der Dunkelheit die Melatoninausschüttung, was das Einschlafen erschwert. Gib daher deinem Körper ausreichend Zeit, um müde zu werden, indem du dein Smartphone vor dem Einschlafen nicht mehr nutzt.

6. Betreibe ein Mal die Woche Digital Detox
Löse dich einen Tag pro Woche von allen digitalen Medien und nutze diesen dazu, um Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Du wirst merken, wie schwer dir die ersten Stunden ohne Handy und Co. fallen werden. Je länger du aber ohne sie bist, desto mehr wird dir auffallen, wie viel unnötige Lebenszeit du vor dem Screen verbringst.

7. Mache ein Retreat pro Jahr!
Ein großartiger Weg, um sich nicht nur einen Tag lang von digitalen Medien zu erholen, ist, sich für ein Wochenende oder sogar für eine Woche komplett von der Technik zu trennen. Dabei hilft dir eine sogenanntes Retreat, in dem Achtsamkeit und innere Ausgeglichenheit an der Tagesordnung stehen – und nicht Facebook und Co.

Wie lässt sich Digital Mindfulness erlernen und in den Führungsalltag integrieren?

Achtsam zu sein heißt, den Moment bewusst wahrzunehmen und sich auf den Augenblick zu fokussieren. Das lässt sich erlernen, genauso wie man auch Digital Mindfulness lernen kann. Auch wenn für Führungskräfte in vielen Unternehmen der Work Load immens ist, so finden auch diese einen Weg, um Digital Mindfulness in ihren Arbeitsalltag zu integrieren und zu lernen, sich Räume ohne digitale Ablenkung zu schaffen.

Ein praktischer Ansatz kann hierbei sein, eine Handybox im Meetingraum zu installieren, in der jede/r Meetingteilnehmerin bzw. -teilnehmer sein Handy legt, bevor die Besprechung beginnt. Dieser Ansatz hilft in vielen Unternehmen, die Meetingkultur zu verbessern und die Mindset zu etablieren, dass eine Mail nicht sofort beantwortet werden kann. Wöchentliche Update-Meetings im Team, in denen eine Prioritätenliste der anstehenden Aufgaben erstellt wird, helfen zudem dabei, zu erkennen, welcher anstehende Task wichtiger ist als der andere. So lernst du und dein Team, wie ihr Aufgaben einteilt und sie im gesetzten Zeitrahmen ohne Ablenkung nacheinander abarbeitet.

Achtsamkeit in ein Unternehmen einführen

Es gibt viele Methoden, die dir dabei helfen, Achtsamkeitsprogramme erfolgreich in einem Unternehmen einzuführen. Du kannst Menschen im Arbeitsalltag dabei helfen, sich achtsame Räume abseits von digitalen Medien zu schaffen. Wie? Indem du dich zur zertifizierten Beraterin bzw. zum zertifizierten Berater oder zur Trainerin bzw. zum Trainer für Mindfulness in Organisationen ausbilden lässt.

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