Achtsame Kommunikation im Unternehmen

Die Arbeitswelt ist eine stressige. Nimmt man in ihr eine Führungsposition ein, steigt der Stresspegel zudem. Ein Termin folgt dem nächsten, jede Entscheidung muss gut durchdacht sein und gesteckte Ziele stets erreicht werden. Dieser ständige Druck kann dazu führen, dass der Ton im Unternehmen rauer wird. Man achtet nicht mehr darauf, wie man etwas sagt, sondern kommuniziert genervt, gestresst und in manchen Fällen sogar aggressiv – der Druck sucht sich schließlich ein Ventil. Umso wichtiger scheint es im Führungsalltag ein Augenmerk auf mindful Communication zu legen und sich darin zu üben.

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Kommunikation schafft Verbindung und Abgrenzung

In der Kommunikation zählt nicht nur der Inhalt des Gesagten, also das Was, sondern auch die Art und Weise, also das Wie. Der Mensch kommuniziert dabei mit seinem gesamten Körper: Körperhaltung, Mimik, Gestik und auch unsere Augen kommunizieren ununterbrochen – und das zu großen Teilen unbewusst. Auch unsere Stimmlage und der Klang unserer Stimme spielen in Sachen Kommunikation eine nicht zu unterschätzende Rolle. Durch sie regulieren wir Nähe und Distanz zu unserem Umfeld. Durch Kommunikation kann man eine Verbindung zu anderen schaffen, aber auch die Abgrenzung von anderen erwirken.

Warum kann Kommunikation im Unternehmen schwierig sein?

In einem Unternehmen kommen viele verschiedene Personen mit individuellen Erfahrungen zusammen, die sich außerhalb des beruflichen Umfeldes meist nicht kennen. Das macht es schwer, das Gesagte richtig einzuschätzen und verdeutlicht den Stellenwert von mindful Communication innerhalb der Organisation. Viele weitere Faktoren könnten der Grund dafür sein, warum sich die Kommunikation im Unternehmen schwierig gestaltet:

  • Missverständnisse: Dinge werden anders aufgefasst als sie gemeint sind
  • Irritationen: Der Körper sendet Signale aus, die nicht mit dem Gesagten übereinstimmen
  • Enttäuschte Erwartungen: Die Erwartungen an das Gesagte werden nicht erfüllt
  • Hierarchie: Die soziale Rangordnung der Menschen wirkt sich negativ auf die Kommunikation aus
  • Interessenskonflikte: Bedürfnisse und Interessen passen nicht zueinander und lösen einen Konflikt aus
  • Emotionale Vergangenheit: Alte Beziehungserfahrungen wirken sich negativ auf die aktuelle Kommunikation aus und bewirken eine falsche Reaktion auf das Gesagte

Was versteht man unter achtsamer Kommunikation?

Wer achtsam kommuniziert, ist in der Lage, sich selbst und verinnerlichte Verhaltensmuster zu verstehen und die wahren Bedürfnisse besser und authentisch zum Ausdruck zu bringen. Mindful Communication bedeutet zu verstehen, wie man gleichzeitig mit absoluter Unvoreingenommenheit sowie voller Anteilnahme zuhört und so die nötige Verbindung zu seinem Gegenüber aufbaut, um ohne Missverständnisse zu kommunizieren. Geleitet ist diese Form der Kommunikation von einer konstruktiven inneren Haltung, die auf Verständigung ausgerichtet ist, ohne Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Was ist gewaltfreie Kommunikation?

Um auch in Konfliktsituationen achtsam zu kommunizieren, empfiehlt sich der Ansatz der gewaltfreien Kommunikation. Darunter versteht man einen Konfliktlösungs- und Kommunikationsprozess, der von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Die gewaltfreie Kommunikation hilft dabei, mit sich selbst und auch mit seinen Mitmenschen empathische Verbindungen aufzubauen, indem die Anliegen aller beteiligten Personen berücksichtigt werden. Sie gibt dir Werkzeuge an die Hand, die dir dabei helfen,

  • Konflikte erfolgreich auszutragen, ohne andere zu beeinflussen oder gar zu verletzen
  • Bedürfnisse und Gefühle zu äußern, ohne zu kritisieren oder zu beschuldigen
  • Bitten klar zu formulieren, ohne andere Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu manipulieren
  • Kritik und Forderungen nicht persönlich zu nehmen
  • eigene Anliegen zu äußern, ohne zwischenmenschliche Beziehungen zu belasten

Was ist an achtsamer Kommunikation im Unternehmen und im Arbeitsalltag wichtig?

Achtsam zu kommunizieren und Konflikte konstruktiv auszutragen, ist nicht immer einfach. Besonders als Führungsperson lohnt es sich aber, auf mindful Communication im Arbeitsalltag zu setzen. Achtsame Führungskräfte, die auch achtsam kommunizieren, sind für jedes Team ein Gewinn, denn sie haben gelernt, unbewusst wirkende Denk- und Kommunikationsmuster zu hinterfragen und gegebenenfalls außer Kraft zu setzen. So können sie in stressigen Situationen führen, Reibungen im Unternehmen aufgrund von unachtsamer Kommunikation vermeiden und Konflikte adäquat lösen.

Wie kann man achtsames Sprechen und Zuhören üben?

Übung macht den Meister – auch im Falle von achtsamer Kommunikation. Eine einfache Übung, die ohne viel Vorbereitung und Grundwissen achtsames Kommunizieren trainiert, ist folgende:

  • Suche dir eine Gesprächspartnerin oder einen Gesprächspartner.
  • Setzt euch einander gegenüber und erlaubt euch in einem Moment der Stille anzukommen.
  • Nun spricht eine Person über ein Thema, während die andere Person offen und aufmerksam zuhört, ohne zu unterbrechen, zu nicken oder dem Thema aktiv etwas hinzuzufügen.
  • Nun gibt die Zuhörerin oder der Zuhörer wieder, was sie oder er verstanden hat.
  • Jetzt werden die Rollen getauscht.

Am Ende dieser Übung wird dir auffallen, wie schwierig es ist, aufmerksam zuzuhören, ohne sich aktiv am Gespräch zu beteiligen. So werden negative Reaktionsmuster offengelegt, die dir in einer alltäglichen Kommunikationssituation nicht auffallen würden.

Wann kommunizieren wir nicht achtsam?

Wer von den eigenen negativen Emotionen eingenommen wird, kann unmöglich achtsam kommunizieren. Denn dann liegt der Fokus nicht mehr im Hier und jetzt, sondern bei vergangenen Begebenheiten, die nicht wertfrei angenommen wurden. Es kommt also auf die innere Haltung an, die eine achtsame Kommunikation ermöglicht. Ist das nicht möglich, kann durch Achtsamkeitsübungen der Fokus wieder in die Gegenwart gelenkt werden.

Der Einsichtsdialog

Gregory Kramer hat mit dem Einsichtsdialog ein Konzept entwickelt, das dabei hilft, ein Gespräch achtsam zu führen. Das auf alten buddhistischen Lehren beruhende Programm hat in Teilen auch in MBSR Einzug gehalten. Kramer formulierte in seinem Konzept drei verschiedenen Urtriebe, die den Menschen seit Beginn der Menschheit antreiben und erklärte deren Einfluss auf die heutige zwischenmenschliche Kommunikation.

Die von Gregory Kramer definierten Urtriebe sind:

  1. Das Streben nach Lust: Der Mensch sucht immer nach lustvollen Erfahrungen und angenehmen Emotionen – auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation.
  2. Das Streben nach Dasein: Dieser Trieb macht sich in der Kommunikation als Wunsch bemerkbar, wahrgenommen und anerkannt zu werden.
  3. Das Streben nach Flucht: Obwohl der Mensch nach Anerkennung sucht, schrickt er vor dem Gesehenwerden zurück, weil er Angst vor Bloßstellung oder unangenehmen Wirkweisen hat. Dieses Streben macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man vor Publikum oder in einer großen Runde sprechen muss.

Nur wer sich seiner Urtriebe in der Kommunikation bewusst ist, kann sich langsam von ihnen lösen. Gleichzeitig lernt man dann tiefe und positive Beziehungen zum Gegenüber aufzubauen.
Folgende sechs Elemente des Einsichtsdialogs helfen dabei, Verbindungen in einem Gespräch aufzubauen:

  1. Innehalten: Halte während des Gesprächs inne und stelle fest, wie sich das Gesagte auf dein Gegenüber auswirkt.
  2. Entspannen: Nehme Spannungen bewusst war und erlaube dir, dich zu entspannen – lass‘ los und akzeptiere Dinge so, wie sie sind.
  3. Öffne dich: Dehne deine Wahrnehmung von deinem Innenleben auf dein Gegenüber aus und nimm‘ sie oder ihn bewusst war.
  4. Vertrauen: Du kannst nicht wissen, was das Gegenüber als nächstes sagt – versuche nicht, das Gespräch kontrollieren zu wollen und vertraue auf dessen positive Entwicklung.
  5. Zuhören: Nimm‘ eine entspannte innere Haltung an und höre mit allen Sinnen zu.
  6. Sprich Wahres: Werde dir bewusst darüber, dass das, was du wahrnimmst, eine subjektive Wahrheit ist und du entscheidest, was du sagst. Lausche nach innen und stehe in Kontakt zu dir selbst, um das Wahre auszusprechen.

10 Fragen, für das Gelingen einer achtsamen Kommunikation im Arbeitsalltag

Während eines Gesprächs ist es nicht einfach, bewusst im Hier und Jetzt zu sein und zu bleiben. Bemerkst du, dass du deine achtsame Haltung verlierst, können dich diese Fragen wieder auf den Weg der achtsamen Kommunikation zurückführen:

  • Bin ich voll und ganz präsent?
  • Was fühle ich gerade?
  • Bin ich in der Gegenwart oder in Gedanken mit der Zukunft oder Vergangenheit beschäftigt?
  • Sind meine Worte konstruktiv und positiv oder verletzend?
  • Wie klingt meine Stimme gerade?
  • Was löst das Gesagte bei meinem Gegenüber aus?
  • Welche Motivation steckt hinter meinen Worten?
  • Höre ich meinem Gegenüber wirklich zu?
  • Kann ich Fehler entspannt zugeben?
  • Wie wirkt meine Körperhaltung auf mein Gegenüber?

Mit achtsamer Kommunikation zur achtsamen Führungskraft

Achtsam zu leben und zu kommunizieren, erlernt man nicht innerhalb von wenigen Stunden. Es gibt jedoch Seminare und Workshops, die dich dabei unterstützen, dich zu einer achtsamen Führungskraft zu entwickeln.

Unser Co-Resolve Seminar, das auf der Lewis Method of Deep Democracy basiert, stärkt beispielsweise deine Führungskompetenzen und hilft dir dabei, deine Moderationsfähigkeiten auszubauen. Wie du als Führungskraft innerlich zur Ruhe kommst und deine eigene sowie die Leistungsfähigkeit deines Teams steigerst, vermittelt dir der praxisnahe Mindful Leadership Workshop.

Als achtsame Führungskraft willst du die Innovationskraft und Zusammenarbeit deines Teams verbessern? Entdecke unseren speziell dafür konzipierten Lehrgang und schließe als zertifizierter Berater für Mindfulness in Organisationen (MIO-Berater) ab. Zudem kannst du dich bei uns auch zum zertifizierten Achtsamkeitstrainer für Mindfulness in Organisationen ausbilden lassen.

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