Stell dir vor, Du sitzt deinem Chef im Mitarbeitergespräch gegenüber, während er ohne Unterlass einen Ball gegen die Wand wirft. Ping… Ping… Eine Szene, die man nicht so schnell vergisst, oder? So ist es wirklich bei einer renommierten Zeitung über viele Jahre lang passiert, hat uns eine Teilnehmerin in unserem Lehrgang erzählt. 𝗗𝗮 𝘀𝗶𝗲𝗵𝘁 𝗺𝗮𝗻, 𝘄𝗶𝗲 𝗙ü𝗵𝗿𝘂𝗻𝗴 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗳𝘂𝗻𝗸𝘁𝗶𝗼𝗻𝗶𝗲𝗿𝘁. Und so etwas lässt sich die viel gescholtene junge Generation einfach nicht gefallen. Zu Recht, wie ich finde. Aber wie geht Future Leadership?
Diese Frage lässt mich seit Jahren nicht los. Ich habe in innovativen Unternehmen gearbeitet, mit Unternehmensgründern, die wirklich wegweisende Ideen dazu hatten, ich habe in einem skandinavischen Beratungshaus gesehen, wie es die innovativen nordischen Länder machen, in einem der Top-Beratungshäuser gearbeitet, ich habe unsere Kunden befragt, vom DAX-Konzern bis hin zu KMUs, ich habe mich mit Professor:innen ausgetauscht, in Harvard Fortbildungen gemacht, mich mit Neurowissenschaftlern getroffen, die Forschungslandschaft durchforstet. Und finde schon, dass es einige Aspekte gibt, die Future Leadership ausmachen:
Über den Begriff Performpathy – eine Kombination aus Performance und Empathy – habe ich in meinem letzten Post schon geschrieben (danke für den großen Zuspruch dazu). Also Empathie und Leistung bedingen einander. Und gerade im letzten Jahr sind zwei tolle Studien dazu rausgekommen aus Stanford und Harvard.
Wenn man also Future Leadership so auf einen Punkt bringen mag, dann bilden die drei Säulen 𝗩𝗶𝘀𝗶𝗼𝗻, 𝗩𝗶𝗿𝘁𝘂𝗲, 𝗩𝗲𝗹𝗼𝗰𝗶𝘁𝘆 das gut ab.
a) Jetzt sagt man vielleicht: „Okay, Vision ist ein alter Hut“, aber schau mal in der Praxis oder frage dich selbst, wie viele Führungskräfte wirklich eine Vision oder einen Nordstern oder wie immer du das nennen willst, haben. Und wie schaffe ich es, meine eigenen Ideen als Führungskraft mit der größeren Idee meines Unternehmens zu verbinden, strategisch die Welt einzubeziehen und deren Veränderungen und damit wirklich einen Purpose zu erleben und zu vermitteln, ein „Warum“?
b) Virtue: aber nicht als Selbstzweck oder Gutmenscheltum. Eine Harvard-Studie gerade aus diesem Jahr zeigt, dass Führungskräfte mit hohem Maß an Mut, an Integrität und an Empathie eine fünfmal höhere Rendite auf das Betriebsvermögen erreichen. Aber was heißt das konkret im Führungsalltag? Es macht einen Unterschied, ob du jemanden sehr direktes Feedback gibst, aber dabei wertschätzend bist.
Also wertschätzende Konfrontation – dann gibt es echte Entwicklung. Auch das habe ich erlebt in meinem ersten Job: Mein Chef hat immer gesagt: „Stell dir vor, hinter mir schwebt ein Banner, auf dem steht: ‚Wie es nicht geht, weiß ich selber.‘“ D.h. er war voll im Gespräch, super empathisch, aber er hat mir nichts abgenommen. Ich musste die Dinge entwickeln, ich konnte Fragen stellen, aber die Lösungen habe ich selbst entwickelt. Von der Mitarbeiterin zur Mitunternehmerin so hat sich das angefühlt
c) Und die dritte Säule: Velocity.
Stell dir vor, du fährst einen schnellen Sportwagen. Das Gaspedal durchgedrückt, der Motor heult. Aber was passiert, wenn du keine klaren Fahrspuren hast? Ohne Struktur endet das Rennen in einem Crash. Genau hier kommt Velocity ins Spiel, ein Prinzip, das nicht nur auf Schnelligkeit um der Schnelligkeit willen setzt, sondern auf Geschwindigkeit mit Fokus. Und dafür nutze ich AI. Es gibt so viele Anwendungen, die mir lästige Bürobürokratie abnimmt.
Ein tolles Beispiel, das ich selbst mit Götz Werner, Gründer von dm-drogerie markt, und seinem Logistikchef Michael Kolodziej, erlebt habe: Sie haben nicht einfach nur schnell entschieden – sie haben schnell entschieden, um klare Strukturen zu schaffen, die Mitarbeitenden dazu befähigten, eigenverantwortlich zu agieren. Hat das immer geklappt? Nein. Haben Mitarbeitende dieses Vertrauen auch ausgenutzt? Ja, aber das waren Einzelfälle, die schon von Anfang an mit angenommen wurden. 95 % haben mitgezogen und sich diese Prinzipien zu eigen gemacht, und damit die 5 %, die nicht wollten oder konnten, locker kompensiert. Damit entsteht aus der Schnelligkeit heraus auch wieder Freiraum für Auszeiten & Pausen, weil ich glaube nicht, dass die Schnelligkeit der Welt uns müde macht, sondern das Gefühl, dass wir uns bei vielem im Kreis drehen – schnell, aber ohne eine gute Richtung und Ergebnisse.
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