Mindfulness als Enabler für erfolgreiche Entwicklung von Menschen & Unternehmen – Vom Verharren ins Fließen

Im Sommer 2018 durfte ich neben anderen Begeisterten als Impulsgeber an einem unternehmensübergreifenden Austausch teilnehmen. Dabei ging es um folgende Frage: „Wieso könnte Achtsamkeit ein Mehrwert in Unternehmen und vielleicht sogar ein Schlüsselfaktor für die Innovationsfähigkeit sein?“ Was mich unter anderem nachhaltig inspirierte, war eine einfache Folie mit der Überschrift „How change has changed“ – wie Wandel sich gewandelt hat. Sie fasste das Paradigma von Wandel in westeuropäischen Unternehmen und den Wandel dieses Paradigmas selbst innerhalb der letzten 20 Jahre für mich sehr klar und stimmig zusammen.

Intuitiv spürte ich, dass hier für mich eine sehr grundlegende Erkenntnis liegen könnte, obgleich ich dies damals kognitiv noch nicht greifen konnte:
Wie und mit welcher Haltung man als Organisation bzw. als Entscheidungstragende in einem Unternehmen den Wandel begreift, aufgreift und ihn erfolgreich entfalten lässt, ist letztlich ein dynamisches Konzept, ein Narrativ.

Dessen Inhalt hängt sehr wesentlich von der individuellen und kollektiven Fähigkeit der beteiligten Menschen ab, Bedeutung zu bilden. Zudem ist es ein dynamischer Prozess. Daraus folgt: Begriffe wie Transformation, nachhaltige Zukunftsfähigkeit oder Enkeltauglichkeit sind selbst nicht statisch und der mögliche Lösungsraum ist es ebenfalls nicht. Hinzu kommt: Der Prozess des Wandels verläuft nicht linear und nach Plan, sondern er entfaltet sich als lebendiger, sozialer Diskurs. Man könnte ihn als den wesentlichen Lern- und Entwicklungsprozess eines Unternehmens begreifen, der letztendlich bestimmt, wie komplexitätsfähig und wandelrobust ein Unternehmen ist, bleibt und wird.

Im Kern heißt das für mich, dass die Entwicklung der Persönlichkeit der Menschen in den Unternehmen und deren Ökosystemen als bewusster und hoch freiwilliger Prozess in großem Maße über den nachhaltigen Erfolg von Unternehmen entscheiden kann. Persönlichkeitsentwicklung wird damit selbst zum Asset, zum Wert an sich.

Über die letzten Jahre hat sich das Paradigma über den Umgang mit Wandel in Unternehmen zunehmend weiterentwickelt: Wir erkennen, dass die erfolgreiche Wandlungsfähigkeit von Unternehmen nicht von der Führungselite alleine abhängen darf, sondern dass diese bei der Wandlungs- und Entwicklungsfähigkeit jedes einzelnen Beschäftigten beginnt: Diese Kompetenz der Mitarbeitenden bestimmt den Potenzialraum der Lösungen. Die Fähigkeit aller Beteiligten mit Veränderungen konstruktiv umzugehen, bestimmt die Innovationsfähigkeit und damit im Endeffekt die Überlebensfähigkeit des Unternehmens.

Diese Erkenntnis motiviert mich zu meiner These: Persönlichkeitsentwicklung hat einen großen Wert für eine achtsame und antwortfähige Organisationsentwicklung. Die individuelle Persönlichkeitsentwicklung und der Wert, der dieser im Unternehmen eingeräumt wird, formt den Potenzialraum für die systematische kollektive Entwicklungsfähigkeit der Organisation.

Die Einladung, unsere Denkkonzepte und Narrative auf den Prüfstand zu stellen, verdanken wir auch verschiedenen Ereignisse mit weltweiten Auswirkungen, die zumeist als Krisen betitelt werden – z.B. die Internetkrise 2000, die Finanzkrise 2008, Fukushima in 2012 oder die Pandemie ab 2020.

Ein erster Schritt zum entwicklungsorientierten, erfolgreicheren Umgang mit Wandel ist, schlicht anzuerkennen und anzunehmen, dass die Welt nicht planbar ist – sondern wie es so schön heißt „das Leben fängt da an, wo der Plan aufhört“ – und die Unternehmen langfristig erfolgreicher sind, in denen Mitarbeitende diese Auffassung integrieren können und sie eingeladen werden, sich in eine Haltung der radikalen Akzeptanz zu entwickeln. Die Tatsache, dass es hier um eine Entwicklung der Menschen und ihrer eigenen Denkstrukturen geht, wurde mir selbst erst Jahre später bewusst und erst in den letzten Jahren auch erklärbar:
Die Menschen übersetzen Impulse wie Krisen und den Umgang damit gemäß ihrer individuellen Persönlichkeitsentwicklung, Denklogik und Haltung.
Das heißt, wir Menschen können entscheiden, ob ein Impuls für uns eine Krise ist oder eine Chance. Und wir können uns jederzeit entwickeln.

Was hat das mit Achtsamkeit zu tun?

Achtsamkeit hilft uns, als Menschen zu reifen und uns zu entwickeln. Sie hilft uns, einen wohlwollenden Blick auf das eigene Denken, Fühlen und Wollen zu entwickeln. Ich durfte immer wieder wahrnehmen, wie Führungskräfte und Mitarbeitende ihre Perspektive raus aus dem Reiz-Reaktions-Schema und hin zum Beobachten und Wahrnehmen erweiterten und kultivierten. Spannend hierbei war für mich die Feststellung, dass bereits beim Trainieren dieser beobachtenden Instanz in uns eine Entwicklung der Persönlichkeit stattfindet. Erkennbar wurde das für mich im Außen an einer veränderten Verhaltensweise – beispielsweise an einem nahezu lustvollen Lernen und Integrieren von vormals vermeintlich sinnlosen oder wenig hilfreichen Lean Management Routinen. Von hier aus ließen sich dann auch Entwicklungspfade hin zu einer agilen Führung realisieren. Plötzlich konnte nicht nur verstanden, sondern auch selbstbestimmt ins Handeln übersetzt werden, wie Agilität jenseits der Methoden die Führung und Zusammenarbeit sinnvoll bereichern kann.

Vom Verharren zum Fließen

Es kommt darauf an, die Menschen dazu einzuladen, sie zu motivieren und zu inspirieren, sich selbstbestimmt und bewusst entwickeln zu wollen. Es gilt, den Entwicklungsweg im Sinne des Flow Konzepts im Feld zwischen Forderung (Mastery) und Reife menschen- und umfeld-zentriert zu gestalten.

Dabei empfiehlt es sich, stets der Empirie folgend nachzusteuern – und zwar im achtsamen Wahrnehmen und Reflektieren der eigenen inneren und äußeren Empfindungen. Es geht also darum, die Persönlichkeitsentwicklung auf individueller Ebene in den Unternehmen zu etablieren und so achtsame Entwicklungspfade für die Menschen und ihre Kontexte entstehen zu lassen. Dieser Prozess skaliert auf der Ebene des Unternehmens dadurch, dass sich der Organisationsentwicklungsprozess achtsam entfalten kann. Achtsam daher, weil der Prozess von den Betroffenen selbst und unter Berücksichtigung ihrer inneren Denk- und äußeren Strukturen spezifisch ausgestaltet, getaktet und vergemeinschaftet werden kann, statt den Menschen und Systemen Interventionen und Entwicklungsmaßnahmen mechanistisch anzutun. Man denke an das Bild des Stau auf der Autobahn. Es geht zunehmend darum, den Prozess der Entwicklung von Unternehmen und Mensch einerseits integral zu begreifen und anderseits ganz bewusst im Fluss zu halten und dabei Überforderung zu vermeiden, die z.B. durch Entwicklungsschritte und -instrumente passieren kann, die für die aktuelle Reife unpassend sind. Die Lösung hierzu liegt stets im System. Und wenn das System und seine Subsysteme sich selbst, ihrer Verbundenheit und ihres Sensoriums bewusst sind, entsteht der Mehrwert für das System aus einem achtsamen, stimmigen und selbstbestimmten Weg hin zu einem erweiterten Lösungspotenzial und damit letztlich erweiterten Freude und Lebendigkeit der beteiligten Menschen.

 

Beitrag von unserem Trainer Germán Barona

Photo by Randy Lisciarelli on Unsplash

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